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Mein Jurastudium – Erfahrungsbericht

Isabell studiert seit 2 Semestern Jura an der Universität zu Köln. In einem Interview hat sie Ihre bisherigen Erfahrungen mit uns geteilt. Ist Jura wirklich so „trocken“ wie alle sagen? Für welche Schüler ist das Jurastudium geeignet? – All das erfährst Du im Folgenden Interview.

Studiengang: Jura
Wo:
 Universität zu Köln
Regelstudienzeit: 9 Semester

Hallo Isabell, wieso hast Du Dich für ein Jurastudium an der Universität Köln entschieden?
Ich habe mich schon früher inhaltlich für den Beruf meines Vaters, nämlich Richter, interessiert. Außerdem kann ich gut formulieren und diskutieren und habe damit gute Voraussetzungen für einen Juristen.

Was sehen die Studieninhalte in Jura aus? Gibt es unterschiedliche Schwerpunkte?
Die Studienfächer sind grundlegend, genau wie das deutsche Recht, in 3 Oberthemen gegliedert: Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Innerhalb dieser Oberthemen werden die Grundlagen (Zivilrecht: die 5 Bücher des BGB; Öffentliches Recht: Staatsorganisationsrecht, Grundrechte/Verfassungsrecht, Europarecht; Strafrecht: verschiedene Delikte des StGB) und besonderen Fachrichtungen (Zivilrecht: Arbeitsrecht, Kreditsicherungsrecht; Öffentliches Recht: Verwaltungsrecht), sowie die jeweiligen Prozessrechte behandelt.

Das Studium besteht neben dem Auswendiglernen vor allem aus dem Bearbeiteten von Fällen, an denen man die erlernten Sachkenntnisse anwenden kann. Diese Anwendungsfähigkeit wird in den Klausuren geprüft.

Was gefällt Dir an Deinem Jurastudium bisher?
Ich habe das Studium in dem Glauben begonnen, die nächsten Jahre bloß Fakten auswendig lernen zu müssen. Es hat sich herausgestellt, dass das Studium längst nicht so trocken ist, wie mir alle vorher erzählt haben, weil es hier ums Anwenden geht.
Innerhalb des Anwendens gefällt mir die Systematik und Logik, aus der das deutsche Recht besteht und der man folgen muss, um Fälle lösen zu können. Mit jeder neuen Information erhält man ein Stück des Puzzles, alles wird klarer.

Um nochmal genauer auf die Logik zu sprechen zu kommen: In Jura ist es wichtig, Dinge zu verstehen und zu verbinden. Klar, einige Definitionen müssen auswendig gelernt und wiedergegeben werden können. Doch auch das gehört zur Logik, da man, bevor man eine Norm auf einen bestimmten Fall anwendet, selbstverständlich zuvor prüfen muss, ob diese Norm vom Gesetzgeber tatsächlich für einen solchen Fall vorgesehen ist.
Sinnlos auswendig lernen musste ich in diesem Studium bisher kaum.

Das Studium ist sehr frei. Die Pflicht zu einer Veranstaltung zu gehen gibt es so gut wie nie. Ich persönlich gehe lieber zu Vorlesungen oder AGs, wenn ich weiß, dass ich das für mich mache und weil es mir etwas bringt. Ich mache nichts gerne, von dem mir jemand sagt, dass ich es muss, ich aber weiß, dass es für mich keinen Sinn macht.

Sehr gut gefällt mir hier an der Universität Köln auch die Unterstützung der Fachschaft, die den Studenten z.B. bei der Klausurvorbereitung hilft.

Cool! Hat Dir denn auch etwas nicht gefallen?
In der Schule hat man das (sinnlose) auswendig lernen gelernt.
In diesem Studium ist jedoch eine andere Lernmethode gefragt, die jeder für sich alleine finden muss, was gar nicht so einfach ist. Ob man das ganze Lehrbuch selber zusammenfasst oder sich mit einem kurzen Skript die wichtigsten Infos besorgt und diese sofort innerhalb der Fallbearbeitung vertieft, ist einem selbst überlassen. Es ist jedoch nicht jede Lernmethode gleich effektiv wie die andere, was dazu führt, dass man lernt und lernt und am Ende immer noch nicht das kann, was gekonnt werden muss.
Das ist allerdings eine Frage der Selbstorganisation. Ich arbeite auch noch dran..

Während in anderen Studiengängen Hausaufgaben gemacht und Referate gehalten werden müssen, ist dieses Studium (s.o.) sehr frei. Es muss eine bestimmte Anzahl an Klausuren und Hausarbeiten geschrieben werden.
Einen Leitfaden durch das Studium und jeweilige Semester muss man allerdings selber machen. Sich daran zu halten erfordert natürlich eine gewisse Anstrengung. Schon einige Male ist es vorgekommen, dass ich absolut erschöpft war und einfach nicht mehr weiter machen wollte. Man muss sich allerdings vor Augen führen, dass dies sogar den Besten so geht. Wer es schafft sich durchzubeißen, gewinnt!

Was würdest Du sagen, für wen wäre dieses Studium geeignet? Welche Interessen oder Voraussetzungen müsste der Schüler mitbringen? 
Das Studium ist für Leute geeignet, die sich selber organisieren können und keine Führung, etwa wie an einer Fachhochschule, brauchen, um z.B. „in die Pötte zu kommen“.

Notwendige Voraussetzung ist meiner Meinung nach das Interesse für die Materie im Allgemeinen und die Bereitschaft, für das Studium zu arbeiten. Eine Null-Bock- Einstellung bringt einen hier nicht weiter.

Ich habe in meinem Studiengang sogar nicht-deutschsprachige Studenten. Formulieren lernen und eine gute Ausdrucksweise muss man nicht unbedingt von Anfang an haben, das kann man sich auch gut noch aneignen.

Isabell, bitte vervollständige diesen Satz: Ich würde mein Studium weiterempfehlen, weil…
es mir viel Spaß macht. Die Systematik und die Ordnung, an die man sich halten muss, aber andererseits auch die Eigeninitiative, die – auch inhaltlich – erwartet wird, spiegeln meine Persönlichkeit gut wieder. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Hast Du abschließend noch Tipps oder Anmerkungen für Studieninteressierte?

Um zu erfahren, ob die Materie des Jurastudiums einen interessiert, empfehle ich mal Vorlesungen des ersten Semesters oder auch Gerichtsverhandlungen, die meistens öffentlich sind, zu besuchen.

Danke für das ausführliche Interview, Isabell 🙂

Matthias
 

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