Universität oder Fachhochschule?

Du hast Dich dazu entschieden zu studieren? Dann solltest Du Dir an dieser Stelle noch ein paar weiterführende Gedanken machen. Die Unterschiede zwischen Universität und Fachhochschule sind nicht unerheblich und die Rahmenbedingungen im Studium beeinflussen Deine Leistungsfähigkeit maßgeblich. Deine Wahl zwischen diesen beiden Alternativen kann sogar ausschlaggebend dafür sein, ob Dir ein und derselbe Studiengang gefällt oder nicht.

Vielen Schülern ist dennoch der große Unterschied zwischen einem Studium an einer Universität und einem Studium an einer Fachhochschule gar nicht bewusst. Stattdessen hört man immer wieder von dem Vorurteil, dass der Abschluss an einer Universität mehr wert sei als der Abschluss an einer Fachhochschule.

Aber ist das wirklich so?

In diesem Artikel erkläre ich Dir die wesentlichen Unterschiede und gebe Dir wertvolle Tipps, damit Du Dich leichter für eine der 2 Optionen entscheiden kannst.

Eine Sache vorweg: Nicht alle Studiengänge kannst Du sowohl an einer Universität als auch einer Fachhochschule gleichermaßen absolvieren.
Auch Dein Schulabschluss (Fachhochschulreife/allgemeine Hochschulreife/fachgebundene Hochschulreife) entscheidet hier mit. In manchen Bundesländern kannst Du eingeschränkt sogar ohne Abitur studieren. Wir beschäftigen uns hier allerdings lediglich mit dem Unterschied zwischen Fachhochschule und Universität.

Praxis vs. Theorie

In der Regel ist ein Studium an einer Fachhochschule deutlich praxisorientierter als das Studium an einer Universität. Die Universität hat einen wissenschaftlicheren Fokus.
Hier solltest Du Dir die Frage stellen, welcher Lerntyp Du bist.
Ist Dir das Lernen mit hohem Praxisbezug schon immer deutlich leichter gefallen? Bevorzugst Du also das anwendungsorientierte Lernen? – Dann bist Du vermutlich besser an einer Fachhochschule aufgehoben.
Wenn Du eher ein intellektueller Typ bist und Spaß daran hast, Dir tiefsinniges Wissen anzueignen, dann passt gegebenenfalls besser das Studium an einer Universität zu Dir.
Hinterfragst Du viele Dinge, forschst oder entwickelst Du gerne?

Die Dozenten an einer Fachhochschule kommen meist aus der Praxis. Sie haben entweder vor Ihrer Tätigkeit als Dozent viele Jahre in der Praxis gearbeitet oder tun es immer noch. Dies spricht ebenfalls für eine höhere Praxisorientierung der FH.

Großer Hörsaal vs. Vorlesung in Kleingruppen

Die Vorlesungen an einer Universität finden in großen Hörsälen mit zum Teil mehreren hundert Studierenden statt. An einer Fachhochschule studierst Du in Kleingruppen mit oft 15-30 Studenten.

Wo würdest Du Dich wohler fühlen?

In einem kleinen Kurs an der FH oder in einem großen Hörsaal an der Uni?
Den Unterricht an einer FH kannst Du mit Deinem Schulunterricht vergleichen. Du bekommst zwar keine mündliche Note aber Du hast die Chance, dem Dozenten Deine persönlichen Fragen zu stellen.
Bedenke, dass Du während Deines gesamten Studiums die gleiche Kursgruppe beibehältst.
Die Anonymität an einer Uni kann durchaus Ihre Vorteile haben. Hier lernst Du im Laufe der Zeit viel mehr Studenten kennen. Deinen Freundeskreis kannst du quasi ständig erweitern.
Du kannst Dir an der Uni also auch aussuchen, mit welchen Menschen Du Dich im Studium umgeben willst.

Beantworte Dir bitte folgende Frage: Bist Du eher ein extrovertierter oder introvertierter Mensch?

Extrovertierte Menschen bevorzugen einen großen Freundeskreis. Sie haben Spaß daran, neue Leute kennen zu lernen, vielleicht jede Woche Partys zu besuchen.
Introvertierte Menschen haben ein Bedürfnis nach wenigen aber dafür intensiven Kontakten. Sie fühlen sich tendenziell in einer kleineren Gruppe wohler.

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Fester Stundenplan vs. Flexible Zeiteinteilung

An einer Fachhochschule bekommst Du klare Strukturen vorgegeben. Deinen Stundenplan kannst Du nicht selbst gestalten. Anders sieht es an einer Universität aus. Hier kannst und musst Du deinen Stundenplan in einem gewissen Rahmen selbst organisieren. Du kannst beispielsweise häufig selbst festlegen, in welchem Semester du welche Kurse belegen möchtest. Beachte jedoch, dass das Studium an einer Uni auch ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Selbstorganisation voraussetzt. Ob Du Deine Kurse tatsächlich besuchst oder nicht, bleibt Dir meist selbst überlassen.

Es ist nun Deine Aufgabe zu entscheiden, welche Alternative Deiner Persönlichkeit am nächsten kommt. Wenn Du nämlich keine eindeutige Präferenz hast, musst Du abwägen und darüber nachdenken, welche Rahmenbedingungen Dir am wichtigsten sind und am ehesten entgegen kommen. Das wichtigste ist, dass Dir Deine Stolpersteine vor Antritt des Studiums bewusst sind. So kannst Du Dir von vornherein überlegen, wie und wann Du für einen Ausgleich sorgst.

Du möchtest beispielsweise einen hohen Praxisbezug, bist aber an das Uni-Studium gebunden, dann suchst Du Dir vielleicht einen Nebenjob, in dem Du Deine Kenntnisse regelmäßig anwenden kannst. Du legst viel Wert auf Deine Freiheiten und möchtest selbst entscheiden, wann Du welche Kurse belegst, wärst aber lieber in einer kleineren Gruppe? Dann entscheidest Du Dich vielleicht für die Uni und schaust Dich von Beginn an nach einer Lerngruppe um.

Zulassungskriterien

Schülern fehlt oft die Entscheidungsfreiheit bei der Frage „Uni vs. FH“.

Viele Universitäten sind völlig überlaufen. Infolgedessen steigt der Numerus Clausus (NC) kontinuierlich.

Überprüfe also zunächst, ob Du die Zulassungsvoraussetzungen einer bestimmten Universität oder Fachhochschule erfüllst. Private Fachhochschulen haben manchmal niedrigere Zulassungsvoraussetzungen, sie verlangen jedoch in der Regel Studiengebühren. Die Studiengebühren sollten nicht das ausschlaggebende Kriterium bei der Entscheidung „Uni oder FH“ sein. Du kannst Dir beispielsweise ein Partnerunternehmen für Dein Studium an der Fachhochschule suchen und ein praxisintegriertes duales Studium absolvieren. Das heißt, dass Du Dir Dein Studium durch die Praxisphasen im Unternehmen finanzierst. In der Regel erhältst Du eine Vergütung und/oder die Studiengebühren werden vom Unternehmen komplett übernommen. Auch das Studium bei der Bundeswehr garantiert Dir ein gleichzeitiges Einkommen. Informiere Dich vorab über den Bewerbungsprozess und Bewerbungsfristen.

Studienwechsel

Wenn Du Dein Bachelor-Studium an einer Fachhochschule abgeschlossen hast, kannst Du für den Master nicht automatisch auf eine öffentliche Universität wechseln. 2013 – 2016 habe ich selbst mein Bachelorstudium an einer FH absolviert. Nach 2 Jahren kam bei vielen meiner Kommilitonen die böse Überraschung. Jetzt erst bemerkten sie, dass sie nach ihrem Bachelor-Abschluss nicht für das anschließende Masterstudium an einer Universität zugelassen werden. 30 ECTS (Abkürzung für „European Credit Transfer System“)-Punkte haben uns gefehlt. Diese konnten wir auch nicht ohne weiteres nachholen. Allerdings hätten wir das Masterstudium an unserer bisherigen Fachhochschule und einigen anderen fortsetzen können.

Mache Dir also besser im Vorfeld darüber Gedanken, wie Du Deinen Bildungsweg auch zukünftig weiter gestalten möchtest.

Um unsere Frage von Beginn erneut aufzugreifen: Ist der Abschluss einer Universität oder einer Fachhochschule wertvoller für Dich und Deine Karriere?
Weder noch! Der Abschluss an einer FH ist, trotz der häufig niedrigeren Zulassungsvoraussetzungen, genauso viel wert wie der Abschluss an einer Universität. Viele Unternehmen schätzen die hohe Praxisorientierung einer Fachhochschule

Mein Tipp: Setze Dich vor Deiner endgültigen Entscheidung zwischen Uni oder FH als Gasthörer in die Vorlesungen an einer Universität und einer Fachhochschule. So kannst Du selbst in den Studienalltag hineinschnuppern, bereits erste Erfahrungen sammeln.

Als Schüler solltest Du Dir also nicht nur über den entsprechenden Studiengang Gedanken machen, sondern auch über den Ort, an dem Du studieren möchtest.

Die Entscheidung zwischen der Uni und der FH ist immer sehr persönlich und individuell.
sehr persönlich und individuell.

Matthias
 

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